Bürgerenergie im Mittelpunkt der 13. Regionalen Energiekonferenz Hintergrundbild

Bürgerenergie im Mittelpunkt der 13. Regionalen Energiekonferenz

Wie kann die Energiewende vor Ort gelingen – und wie können Bürgerinnen und Bürger dabei nicht nur mitreden, sondern auch wirtschaftlich profitieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 13. Regionalen Energiekonferenz, die am 25. November 2025 im Stubenrauchsaal der Stadt Teltow stattfand. Mit knapp 60 Teilnehmenden war die Konferenz erneut gut besucht. Besonders die Beiträge rund um das Thema Bürgerenergiegenossenschaften stießen auf großes Interesse und wurden auch nach der Veranstaltung vielfach nachgefragt.

Bürgerbeteiligung mit wirtschaftlichem Potenzial

Welche Möglichkeiten Kommunen und Bürgerinnen und Bürger haben, gemeinsam in die Energiewende zu investieren, zeigten mehrere Praxisbeispiele. Herr Putzke (Stadt Teltow) stellte ein Modell vor, mit dem sich neue Photovoltaikprojekte mithilfe eines Stromkreisbilanzmodells und der Unterstützung der Bevölkerung finanzieren lassen. Ziel ist es, den Eigenversorgungsanteil städtischer Liegenschaften zu erhöhen. Die vorgestellten Projekte versprechen Renditen von über 8 Prozent und können den Stadthaushalt langfristig durch geringere Kosten für den Energiezukauf entlasten.

Auch das vor rund zwei Jahren gegründete Landwerk der Stadt Treuenbrietzen zeigt einen weiteren Weg auf. Bürgermeister Herr Knape erläuterte die Organisationsform mit mehreren Kommanditgesellschaften, über die Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien finanziert und umgesetzt werden, ohne die Stadtkasse unmittelbar zu belasten. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich an den Projekten zu beteiligen.

Energiewende in Bürgerhand

Wie Bürgerenergie in der Praxis funktionieren kann, verdeutlichte Herr von der Heide am Beispiel der Bürgerenergiegenossenschaft Teltow-Fläming, der ältesten Bürgerenergiegenossenschaft der Region. Bereits mehr als ein Dutzend Photovoltaikprojekte wurden erfolgreich umgesetzt – überwiegend auf Dächern öffentlicher und kommunaler Liegenschaften. Für die Mitglieder sind dabei jährliche Renditen von mehr als 12 Prozent möglich. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das umfangreiche ehrenamtliche Engagement der Genossenschaftsmitglieder.

Nach den erfolgreichen Projekten in Luckenwalde wagt sich die Genossenschaft nun an größere Vorhaben. Im Fokus stehen unter anderem die Wärmeversorgung, Energy Sharing und mögliche Beteiligungen an Windkraftprojekten.

Wie sich auch die Erträge aus Windenergie möglichst breit in der Bevölkerung verankern lassen, zeigte der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Mühlenfließ, Herr Hinze. Er stellte das im Ortsteil Schlalach umgesetzte Modell des Flächenpoolings vor. Dabei werden die Einnahmen aus den Pachtverträgen eines Windparks auf die Bürgerinnen und Bürger verteilt. Das Modell fand auch bei den Investoren breite Zustimmung: Bis auf einen beteiligten sich alle.

Rechenzentren, Abwärme und Stromnetze

Neben der Bürgerenergie wurden weitere aktuelle Fragen der Energiewende diskutiert. Herr Kühn von der Netzgesellschaft Potsdam (NGP) stellte die mögliche Nutzung der Abwärme eines geplanten Rechenzentrums für das Potsdamer Fernwärmenetz vor.

Auch die Gemeinde Wustermark hat Erfahrungen mit der Ansiedlung von Rechenzentren gesammelt. Herr Schollän berichtete, wie mithilfe externer Beratung ein für Gemeinde und Investoren akzeptabler Vertrag entwickelt werden konnte, der zugleich die Belange von Natur- und Artenschutz berücksichtigt.

Frau Kortenkamp von der E.DIS Netz GmbH erläuterte anschließend die Bedeutung des § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Bei einer Überlastung des Stromnetzes können Netzbetreiber künftig den Strombezug steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen, Wallboxen oder Klimaanlagen auf bis zu 4,2 Kilowatt reduzieren und so zur Stabilität des Stromnetzes beitragen.

Wertschöpfung in der Region halten

Zum Abschluss richtete sich der Blick noch einmal auf die Chancen einer Energieversorgung in Bürgerhand. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Fläminghavel e. V. und die Servicestelle SoNah stellten ein Projekt vor, bei dem Einnahmen aus erneuerbaren Energien gezielt für die Entwicklung von Orten genutzt werden sollen.

Beispiele aus anderen Bundesländern, etwa aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis, zeigen, welches Potenzial für die regionale Wertschöpfung darin steckt. Ziel ist es, erneuerbare Energieprojekte gemeinsam mit Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern umzusetzen und die daraus entstehende Wertschöpfung möglichst vor Ort zu halten.

Bis 2028 unterstützt die Servicestelle SoNah Kommunen und Energiegenossenschaften bei der Konzeptionierung und Umsetzung entsprechender Projekte.

Damit nahm die Konferenz einen Gedanken auf, der sich durch viele Beiträge zog: Die Energiewende bietet nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Chancen – insbesondere dann, wenn Kommunen und Bürgerinnen und Bürger sie gemeinsam gestalten.