Weniger Anlagen - mehr Energie
Repowering in der Region Havelland-Fläming im Aufwind
Im Jahr 1993 wurde in der Region Havelland-Fläming das erste Windkraftrad aufgestellt. Seitdem ist die Anzahl der Windkraftanlagen in der Region ununterbrochen gestiegen und erreichte Ende 2025 den Wert von 827 Anlagen. Die höchsten Zuwächse der Inbetriebnahme von Windkraftanlagen wurden zwischen den Jahren 2002 bis 2007 erreicht. Ähnlich hohe Zuwächse ergaben sich danach nur noch in den Jahren 2009 und 2017. Seit dem Jahr 2018 flachte die Anzahl der Inbetriebnahmen deutlich ab. Diese Entwicklung hat zu einer Alterung des Anlagenbestands geführt. Im Durchschnitt ist im Jahre 2026 eine Windenergieanlage in der Region 17 Jahre in Betrieb.

Abb. 1: Die Abbildung stellt den Zuwachs der Windkraftanlagen in der Region während der vergangenen 32 Jahre dar. Die roten Balken kennzeichnen Anlagen mit einem Alter von mindestens 20 Jahren. Die orangene Linie zeigt den kumulierten Zuwachs an Windkraftanlagen an.
Windenergieanlagen haben eine durchschnittliche technische Nutzungszeit von 20 bis 25 Jahren. Aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen können Windenergieanlagen aber auch früher oder zu einem späteren Zeitpunkt außer Betrieb genommen werden. Nicht mehr in Betrieb stehende Windenergieanlagen müssen zurückgebaut werden. Zumeist besteht jedoch das Interesse ältere Windenergieanlagen durch neue Anlagen auf der gleichen Fläche zu ersetzen, sogenanntes Repowering. Insgesamt kommen im Jahr 2026 in der Region 398 Anlagen mit einem Alter von mindestens 20 Jahren für ein solches Repowering in Betracht.
Nutzung vorhandener Standorte
Etwa 1,84 Prozent der Regionsfläche sind gegenwärtig als Vorranggebiet Windenergie (VRW) ausgewiesen. Das Repowering betrifft die Windvorranggebiete, kann aber aufgrund des § 249 Absatz 3 des Baugesetzbuchs auch außerhalb von Vorranggebieten stattfinden. Bereits erschlossene Windenergiegebiete können durch das Repowering von Anlagen weiter genutzt werden. Für das Repowering gelten nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz weniger umfangreiche Prüfverfahren. Das kann sich auf den Austausch der alten durch neue Windräder beschleunigend auswirken. Diese Beschleunigung tritt jedoch nicht in jedem Fall ein.
Stand der bisherigen Repowering-Planungen in der Region Havelland-Fläming
Die bisher beantragten und genehmigten Repoweringprojekte umfassen insgesamt 127 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von 850,37 MW. Das ergibt eine durchschnittliche Leistung von 6,7 Megawatt je Windrad. Im Vergleich dazu haben die 223 der abzubauenden Windenergieanlagen der alten Generation eine Durchschnittsleistung von 1,56 MW.
Aktuelle Liste der geplanten Repoweringprojekte in der Region Havelland-Fläming (Stand 2026/08)
Abb. 2: In der Summe sind bisher 127 Repoweringanlagen geplant oder schon genehmigt. Dafür werden 223 Windkraftanlagen abgebaut. Somit werden mit einer neu aufgestellten Anlage im Durchschnitt 1,75 Anlagen abgebaut. Das Verhältnis der Leistungen in Megawatt zwischen den alten und den neuen Windanlagen liegt bei etwa 2,5. Das heißt: 127 repowerte Anlagen werden eine Leistung von 850,37 MW erbringen, während die alte Generation mit 223 Anlagen eine Leistung von 347,01 MW erbrachte. Das Leistungsverhältnis zwischen den Repoweringanlagen mit einem Leistungsdurchschnitt von 6,7 MW und den Altanlagen mit knapp 1,55 MW liegt bei 4,3.
Warum ist Repowering sinnvoll?
1. Effizienz- und Leistungssteigerung
Windräder der neuesten Generation ragen in höhere Luftschichten und besitzen größere Rotordurchmesser. In diesen höheren Luftschichten weht der Wind konstanter und kräftiger und ist weniger turbulent. Als Faustregel gilt: Eine moderne Anlage kann oft die gleiche Menge Strom wie drei bis vier alte Anlagen erzeugen. Das bedeutet mehr klimaneutrale Energie auf gleicher oder sogar kleinerer Fläche mit einer geringeren Anzahl von Windkrafträdern. Dies reduziert unter anderem die Wartungs- und Betriebskosten pro Megawatt Leistung. Es wird somit mehr Strom kostengünstiger produziert. Die fixen Kosten wie Pacht, Versicherung, oder Zufahrtswege verteilen sich auf mehr Betriebsstunden.
2. Weniger ist mehr für das Landschaftsbild
Durch Repowering werden zukünftig weniger Windräder an einem Standort stehen. Große Windparks wirken nach einem Repowering oft optisch aufgeräumter und unaufdringlicher, da sich die Anzahl der Rotoren reduziert. Man darf allerdings nicht ignorieren das neue Windenergieanlagen im Vergleich zu den älteren Vorgängern bis zu 170 Meter höher sind. Die visuelle Präsenz von Windrädern mit einer Gesamthöhe von bis zu 270 Metern kann bei der betroffenen Bevölkerung als ein weiterer Eingriff in das Landschaftsbild und als optische Belastung wahrgenommen werden.
Die Abb. 3 zeigt das Vorranggebiet für Windenergie VRW 37 „Nauen“. Das VRW 37 ist eines der größeren Vorranggebiete in der Region und befindet sich südwestlich von Nauen im Landkreis Havelland. Die grünen Punkte sind die 74 Windkraftanlagen der ersten Generation die zurückgebaut werden. Die roten Punkte stellen die 38 Windenergieanlagen der neuen Generation dar. Durch das Repowering dieses Windvorranggebietes wird sich die Anzahl der Windenergieanlagen etwa halbieren. Die neuen Windenergieanlagen nehmen insgesamt auch weniger Fläche ein als die Altanlagen. Die installierte Leistung steigt hingegen insgesamt von 110 auf 273 MW und damit auf das Zweieinhalbfache.
3. Nutzung bestehender Infrastruktur
Ein neuer Windpark auf der „grünen Wiese“ erfordert jahrelange Genehmigungsverfahren, neue Zufahrtswege und vor allem teure Netzanbindungen (Kabeltrassen Umspannwerke etc.). Beim Repowering ist diese wichtige Infrastruktur schon komplett vorhanden. Diese Infrastruktur zu nutzen, spart Zeit, Kosten und schont den Boden und Ressourcen und ist auch für den Endverbraucher günstiger.
4. Bessere Netzverträglichkeit
Die Stromproduktion alter Windräder zeigt in Abhängigkeit von den bodennäheren Winden große Schwankungen. Moderne Anlagen reichen in höhere Luftschichten, wodurch konstantere und kräftigere Windstärken genutzt werden können, die auf das Netz stabilisierend und unterstützend wirken und weniger Netzschwankungen verursachen. Für moderne Windkraftanlagen werden intelligente Regelungs-Software und Leistungselektronik angeboten. Bei zu starken Winden oder gar Stürmen können sich moderne Windenergieanlagen kontrolliert selbständig abschalten.
5. Besserer Artenschutz
Die langsamere Drehbewegung der Rotoren größerer Anlagen kann zu weniger Kollisionen mit Vögeln und Fledermäusen führen. Langsamere Rotoren sind als Hindernis leichter erkennbar und ein rechtzeitiges Ausweichen wird wahrscheinlicher. Andererseits kann sich die Fläche, die von den Rotoren überschnitten wird, vergrößern, wodurch auch der Gefahrenbereich für Vögel und Fledermäuse größer wird. Kollateralschäden von Vogel- und Fledermausarten sind noch immer nicht ausgeschlossen. In die neue Generation von Windenergieanlagen kann durch verschiedene Sensoren und Kameras eine Art Nervensystem installiert werden, das weiter dazu beiträgt, Kollisionen zu vermeiden.
Fazit: Repowering sorgt dafür, dass bestehende und schon erschlossene Windenergiestandorte effizienter genutzt werden, ohne neue Flächen erschließen zu müssen. Größere Windenergieanlagen produzieren mehr Strom pro Anlage und beanspruchen pro erzeugte Megawattstunde weniger Fläche. Das Repowering kann sogar dazu führen, dass sich die mit Windenergieanlagen bebaute Fläche verkleinert. Bei der neuen Windkraftanlagengeneration kann sich das Kollisionsrisiko für Vögel und Fledermäuse verringern.
Die meisten rückgebauten Windräder funktionieren nach ihrem Abbau immer noch, wodurch diese in einem Zweitmarkt weiterverkauft werden können. Oft finden Windräder in anderen Ländern und Kontinenten ihren zweiten Einsatz oder sie werden als Ersatzteilspender im Inland genutzt.
Repowering kann zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2040 beitragen
Die Energiestrategie 2040 stellt einen wichtigen Orientierungsrahmen für die Entwicklung der Energieversorgung in Brandenburg dar. Bis zum Jahr 2030 soll laut Energiestrategie 2040 in Brandenburg ein Wert von 11,5 Gigawatt installierter Leistung durch Windenergieanlagen erreicht sein. Für die Region Havelland-Fläming ergibt sich daraus eine zu installierende Leistung von etwa 2,637 GW. Dieses Ziel wurde bis zum Juli 2026 zu 65% erreicht. Bis zum Jahr 2030 fehlen noch 928 MW. Durch das Repowering der dafür weiter in Betracht kommenden Anlagen (zusätzlich zu den oben aufgeführten Projekten) könnte eine Steigerung um etwa 520 MW erreicht werden.
Stand: 31.08.2026

