Stillstandszeiten von WEA in der Region Hintergrundbild

Stillstandszeiten von WEA in der Region

Regionale Unterschiede bei Stillstandzeiten von Windenergieanlagen

Während der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voranschreitet, hängt der Ausbau der Stromnetze in weiteren Teilen des Landes noch hinterher. Dies führt vor allem an Tagen mit hohen Windstärken und viel Sonnenschein dazu, dass die Netzbetreiber die Einspeiseleistung von Windenergieanlagen und Photovoltaikanlagen reduzieren müssen um die Netzstabilität zu gewährleisten und Netzengpässe zu vermeiden. Auf der Internetseite der Netzbetreiber kann – mit unterschiedlicher Transparenz – nachvollzogen werden, wann es zu Netzengpässen kam und wie der Netzbetreiber darauf reagiert hat. Diese Daten hat die Regionale Planungsstelle ausgewertet und kommt zu einem aufschlussreichen Ergebnis.

Untersuchung der Regionalen Planungsgemeinschaft

Die Regionale Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming hat, nach 2015, nun erneut die Stillstandzeiten von Windenergieanlagen aufgrund von Netzengpässen ermittelt. Im Untersuchungsjahr 2020 drehten sich 777 Windenergieanlagen in der Planungsregion (Stand: 31.12.2020). Davon waren 82 Anlagen an das Stromnetz der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH angeschlossen, 212 Anlagen bei der 50Hertz Transmission GmbH und 483 Anlagen an das Netz der E.DIS AG. Lediglich bei den Windenergieanlagen im Netz der E.DIS war es auf Grundlage der zur Verfügung gestellten Daten möglich, eine anlagen- und minutengenaue Zuordnung im Betrachtungszeitraum vorzunehmen – wie bereits 2015. Die Einspeiseleistung wird dort zudem, falls notwendig, auf 60%, 30% oder auch auf 0% ihrer Nennleistung gedrosselt.

Windenergieanlagen stehen im Schnitt 6 Tage im Jahr still

Im Betrachtungsjahr 2020 wurden von der E.DIS AG in unserer Region insgesamt 342 Windenergieanlagen für 67.427 Stunden in ihrer Einspeiseleistung reduziert. Was auffällt: Während die Anzahl der Windenergieanlagen in unserer Region im E.DIS Netz, im Vergleich zu 2015, um 30% zugenommen hat, ist die Anzahl der von Leistungsdrosselung betroffenen Anlagen nahezu identisch. Die Stunden, in denen sie von einer Reduzierung der Nennleistung betroffen waren, haben sich jedoch um mehr als 50% erhöht. Ähnliches kann bei den Einzelstunden festgestellt werden. War 2015 eine Anlage durchschnittlich noch 121 Stunden von Maßnahmen zur Netzstabilität betroffen, so waren es 2020 bereits 197 Stunden. Die Zeit, die eine Anlage komplett vom Netz genommen wurde, hat sich 2020 mit durchschnittlich 155 Stunden sogar verdoppelt (2015 = 74 Stunden).

Erwartungsgemäß haben Windenergieanlagen in Brandenburg rund 8.000 Betriebsstunden im Jahr, bei denen sie ohne Einschränkungen Strom ins Netz einspeisen können. Somit konnte als Ergebnis der Untersuchung festgestellt werden, dass die Stillstandzeiten der untersuchten Windenergieanlagen in unserer Region aufgrund von Netzengpässen im Durchschnitt circa 2 Prozent der jährlichen Betriebsstunden ausmachen (2015 = circa 1%), Laut aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur zu „Netz- und Systemsicherheitsmaßnahmen“ wurden 2020 bundesweit knapp 3 Prozent der Erneuerbaren Energien im Rahmen von Einspeisemanagement-Maßnahmen abgeregelt. Hiervon entfielen auf unser Bundesland 7,2% aller 2020 getroffenen Maßnahmen und knapp 70% von diesen auf den Energieträger „Windenergie an Land“. Weitere Ursachen für den Stillstand von Windenergieanlagen, neben Netzengpässen, können sein: Wartungsarbeiten an Windenergieanlagen oder am Stromnetz, Vermeidung von Schattenwurf, bei Gefahr von Eiswurf, Vermeidung von Schlagopfern während des Vogelzuges sowie bei Stark- und Schwachwindzeiten.

Deutliche regionale Unterschiede

Bei der Untersuchung wurden auch regionale Unterschiede festgestellt. Mit 141 Anlagen und 21.962 Stunden Gesamtzeit war Potsdam-Mittelmark der Landkreis, in welchem die meisten Windenergieanlagen durch den Netzbetreiber reguliert wurden. Im Durchschnitt wurde dort 2020 eine Anlage für 119 Stunden vollständig vom Stromnetz getrennt. Die meisten Gesamtstunden hinsichtlich einer Drosselung gab es jedoch bei den 117 betroffenen Anlagen im Landkreis Teltow-Fläming mit insgesamt 40.325 Einsatzstunden. Durchschnittlich wurde eine Anlage dort 345 Stunden in ihrer Leistung gedrosselt und für durchschnittlich 277 Stunden stand sie komplett still. Auf Grund von Netzengpässen wurden 82 Anlagen im Landkreis Havelland jeweils für ca. 44 Stunden auf 0% ihrer Einspeiseleistung gedrosselt und jeweils etwa 27 Stunden die beiden in Brandenburg an der Havel befindlichen Anlagen.

Ausblick

Aus verschiedenen Gründen drehen sich Windenergieanlagen nicht an allen 365 Tagen im Jahr. Jedoch sind Stillstandzeiten aufgrund von Netzengpässen in unserer Region auch weiterhin nachweisbar nur von geringer Dauer. Laut Netzausbauplan 2019 der Arbeitsgemeinschaft Flächennetzbetreiber Ost (ARGE FNB Ost) müssen in Ostdeutschland bis zum Jahr 2030 elf Netzverknüpfungspunkte zwischen Verteil- und Übertragungsnetz neu errichtet und 29 Verknüpfungspunkte verstärkt werden. Die E.DIS Netz GmbH erwartet in den nächsten zehn Jahren einen Anstieg der Erzeugungsleistung aus regenerativen Energien im Hochspannungsnetz auf über 32 Gigawatt. Insgesamt müssen zwischen Ostseeküste und Thüringer Wald in diesem Netz 526 Kilometer Trassen neu errichtet und 2.156 Kilometer Trassen verstärkt werden. In unserer Region sind dies z.B. 22 km Hochspannungs-Freileitungen zur Einbindung ins Umspannwerk Beetzsee Nord (Leitungsneubau), 52 km Hochspannungs-Freileitung zwischen Thyrow und Luckenwalde sowie 20 km Hochspannungs-Freileitung zwischen Wustermark und Nauen (jeweils Leitungsverstärkung).